rotpoetin.de
      Der andere Blick

Hambacher Forst/Königswinter, 06.10.2018


Update vom 07.10.2018

Wie mir heute mitgeteilt wurde, habe ich von den Naturfreunden Deutschland viel zu wenige aufgezählt, was aber daran lag, dass auf einem Gelände, auf dem sich 50.000 Menschen aufhalten, nicht alles gesehen werden kann. 
Trotzdem ist es mir wichtig, den Nachtrag noch zu bringen. Ich sah gestern eine Frau mit Naturfreundefahne, die mir sagte, sie sei aus Offenbach, Frankfurter seien auch da. 

Bei den Naturfreunden entschuldige ich mich für das Versäumnis, auch wenn keine Schuld beinhaltet ist.

Hier der Auszug aus der mail:

"Zwei vom Hausverein Naturfreundehaus Kalk  e.V. und zwei von den NF Göttingen haben den Standdienst fast  den ganzen Tag gemacht,

(und als Pausenablöser zwei von der Naturfreundjugend NRW sowie 2 von den NF Hessen)und es gab anregende Begegnungen mit vielen Standbesucher*innen.Gesichtet oder gesprochen wurden auch viele andere:Mitglieder der Bezirksgruppe Köln-Kalk waren auf der Demo, ebenso wie Naturfreund*innen aus Dortmund, Wuppertal, Essen, Göttingen, Kassel, Marburg, Frankfurt, Stuttgart und vielen anderen Städten,und vermutlich  noch Andere, die wir nicht gesehen haben in der Menge  der teilnehmenden Menschen."

Hambi bleibt!

So wurde liebevoll der Name Hambacher Forst in Hambi geändert und die Willensbekundung 
der Demonstrationsteilnehmer skandiert.

50.000, in Worten: fünfzigtausend, Menschen, so wurde glauhaft erklärt, nahmen heute teil.
Ich verlasse mit bei der Zahl auf den Kölner-Stadt-Anzeiger, deren Journalist diese Zahl für 
richtig hält. 
Ich gehe davon aus, dass alle wissen,worum es geht.

Auf dem Foto sehen sie meinen Rucksack, gekauft mit schwarzer Färbung.
Tja, schwarz geht anders. Bisschen hell sieht er aus, heller Staub bedeckt ihn an vielen Stellen.
Warum stelle ich ihnen meinen Rucksack vor?
Er hat mit seiner Staubschicht eine symbolische Bedeutung.
Noch ist der Staub, von der freien Fläche, die wir zur Verfügung hatten für unseren Protest, hell.
Hinter dieser freien Fläche, nicht weit entfernt, ist Hambi, der noch lebt und sein Teil dazu tut,dass wir leben. Er ist ein Wald und ein Wald bedeutet Sauerstoff.
Ohne Bäume wäre ein Leben auf der Erde nicht möglich.
Noch ist der Staub hell. Aber wenn das RWE den Hambi rodet, ihn also vernichtet, 
Dann wird dort Kohle abgebaut und das natürlich oberirdisch.
Dann färbt der Staub sich dunkel.












Die Gesundheitsgefahren sind auf der Seite, viele erinnern sich noch an Heinrich Böll, es handelt sich hier um die Böll-Stiftung, wunderbar dokumentiert. Der Staub wird dunkel, er dringt in die Lunge ein, zerstört die Gesundheit und Staub kann auch reisen, er bleibt nicht an einem Ort.

"Mehr als 18.000 Menschen sterben jährlich in der EU an den Folgen der Luftverschmutzung durch Kohleförderung und -kraftwerke. Feinstaub und Schwermetalle können für Menschen lebensbedrohlich sein. Ein Kapitel aus demKohleatlas."

https://www.boell.de/de/2015/06/02/gesundheit-feiner-staub-grosser-schaden

Viele Menschen haben verstanden, warum es wichtig ist, diese Rodung zu verhindern. Ein Gericht in Münster hat die Rodung erst mal gestoppt, es fehlt jeder Beweis dafür, dass es wichtig für die Verbraucher ist, die Kohle zu fördern, damit kein Manko in der Stromversung entsteht. 
So erzählt das nämlich das RWE. Und ein Vor-Ort-CDUler, aus Bedburg, führt bei seiner Aufzählung derer, auf die der Konflikt Auswirkungen hat, zuerst das RWE an.
Das, liebe Leser, sollte zu denken geben. 
Das RWE führt als Alibi für sein jämmerliches Jammern der evtl. Verlust von Arbeitsplätzen.
Aber, liebe Leser, wann hat ein Profitjäger sich für Arbeitsplätze interessiert?
Glauben Sie mir, ich bin da  sicher, könnte das RWE alle, die dort arbeiten, rausschmeißen, ohne sie auskommen, dann wäre ihnen jedes einzelne Schicksal egal.
Das ist auch jetzt schon so.
Sie reagieren so ähnlich, wie die AfD, wenn sie ein Feindbild anbietet, "Da, der "Ausländer" (sie benutzen schlimmere Begriffe, die nicht meine sind)der ist schuld an all deinen Problemen."

Schade, dass viele darauf hören, das glauben, und statt sich gegen eine immer mehr menschenverachtende Politik zu wehren, treten sie nach unten, statt sich gegen oben, wo der wirkliche Feind sitzt, zu wehren.

Heute der Protest war überwältigend, er war bunt, er war laut, er war musikalisch, er war geprägt von vielen Organisationen, Parteien? Die Linke, ja, die war vielfach vertreten. Sicher waren auch von anderen Parteien Menschen dabei, aber ich habe keine Stände gesehen. 

Von den Linken waren auch Parteiprominenz dabei, z.B. Bernd Riexinger, Andrej Hunko, Hubertus Zdebel.
Wenn Bundestagsabgeordnete nicht nur die Basis für die richtigen Ziele arbeiten lässt, sondern sich selber den ganzen Tag an einen Stand stellt, an einem Protest teilnimmt, dann ist das authentisch, glaubwürdig und entspricht linker Politik.
Glauben sie nicht alles, was Politiker sagen, messen sie sie an ihrem Engagement für menschengerechtes Leben, egal in welchem Bereich.
Reden kann jeder, handeln tun nur wenige.

In der Bildergalerie werden Sie viele bunte Menschen sehen, die Naturfreunde aus Offenbach und Frankfurt waren vertreten. Aber schon auf dem Bahnsteig in Köln Ehrenfeld, wo ich selber umstieg, war der Bahnsteig gefüllt mit Protestlern mit Phantasievollen Schildern und dem gleichen Ziel: Die Rodung des Hambi zu verhindern. 
Leider erfuhren wir auf der Rückfahrt im Zug, dass die Polizei, als die meisten Menschen weg waren, eine zynische Strategie, unterirdisch, mit Verstärkung in den Hambacher Forst eindringt, um dort Menschen raus zu holen. Traurig, dass es so ausartet, nach einer durchweg friedlichen Demonstration, bei der 50.000 Menschen das Recht für alle Menschen, auch kommende Generationen, verteidigten.

Wir werden in der Folge die kommenden Entscheidungen gut im Auge behalten müssen. Denn ob man sich darauf verlassen kann, dass die Rodung für länger gestoppt ist, ist ungewiss. 
Wer auf Profit aus ist, hat auch keine Skrupel schnell Beweise für das eigene Handeln vorzulegen, oder irre ich da?
Wenn Sie heute noch nicht dabei waren, gehen sie beim nächsten mal mit, denn dort finden sie menschliche Wärme, Menschen, die zuhören, Menschen, die sich für Sie interessieren.
Noch einen schönen Abend und bedenken Sie, ihre Kinder, Enkel, Urenkel und folgende Generationen wollen auch noch atmen können.