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28.11.2016

Trauerkultur oder Pathologisierung? 

So möchte ich diesen Beitrag überschreiben, zu dem es keine Recherchen gibt, der also keine Tatsachen enthält,
außer allgemein bekannten, der aber meine Meinung zu Veränderungen in der Gesellschaft, bezogen auf Trauer,
wiedergibt.

Wie komme ich darauf?

Früher war ein Mensch tot, wenn er tot war. Was bedeutete das?
Es kam ein Arzt, der überprüfte die sogenannten Vitalfunktionen, und wenn die nicht mehr 
vorhanden waren, dann war der Mensch tot.
Es wurde getrauert, geweint, sich gegenseitig getröstet, die Kinder waren mit einbezogen und die ganze
Familie betroffen. Die Trauer war erlaubt, es durfte geweint werden, es wurde nicht in die Trauer eingegriffen.

Heute ist das anders, heute wird der Tod definiert.
Wann ist ein Mensch heute tot? Da geht es um Gehirnfunktionen, Stammhirn und ohne Rücksicht auf Trauer
müssen Familien oft entscheiden, ob sie Organe der "Verstorbenen" spenden wollen.
DAS müssen sie entscheiden, wenn die Patientin noch nicht tot ist, denn tote Organe sind nicht mehr
verwendbar. 

Die Frage, wenn man ins Krankenhaus kommt, ob man eine Patientenverfügung hat, ist ja obligatorisch.
DANN ist ja alles geregelt. Obwohl man auch dann nicht sicher weiß, ob die Entscheidung zum ist-Zeitpunkt die
gleiche wäre, wie es zum kann-Zeitpunkt war. 
Ich schreibe nur über das, was ist, ändern kann ich es nicht.

Haben sie das auch schon mal erlebt, wenn z.B. alte Menschen lange trauern um den verlorenen Lebenspartner, 
mit dem sie zig Jahre verheiratet waren, dass dann von Ärzten auch mal gerne Antidepressiva gegeben werden?
Dass auch immer Menschen da sind die meinen äußern zu müssen, es reiche doch jetzt mal mit der Trauer?
Halten wir Trauer überhaupt noch aus, oder sind wir so weit davon entfernt, weil wir ja uns Gedanken um 
Organspenden,Wiederbelebung oder eben nicht oder ähnliches machen müssen.

Wer zu lange trauert, der fällt auf, der wird in eine Schublade gesteckt, der muss krank sein.
In einer Leistungsgesellschaft trauert man nicht, da lenkt man sich ab, zur Not nimmt man Pillen.

Ist das nicht schon eine Entmenschlichung? 

Mich graust es dabei. 


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